Was ist Künstliche Intelligenz?
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Sammelbegriff für Computerprogramme, welche Aufgaben übernehmen, für die normalerweise menschliche Intelligenz nötig ist. Besonders bekannt sind sogenannte „generative KI“-Modelle wie ChatGPT, die aus großen Datenmengen eigenständig neue Texte, Bilder oder sogar Musik erzeugen können. Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsthema mehr – sie ist Teil unseres Alltags. Ob beim Übersetzen von Texten, bei der Navigation oder in der Medizin: KI begegnet uns überall. Im Gesundheitswesen verspricht KI, Diagnosen zu beschleunigen, Therapien zu personalisieren und das medizinische Personal zu entlasten. Doch was bedeutet das für Sie als Patient*innen?
Wo begegnet uns KI im Gesundheitswesen?
1. Diagnostik und Früherkennung
KI kann helfen, Krankheiten schneller zu erkennen. Sie analysiert große Mengen medizinischer Daten, entdeckt Muster und gibt Hinweise, die für Menschen schwer zu sehen sind. Das kann Leben retten – etwa bei der Früherkennung von Tumoren oder bei der Auswertung von Röntgenbildern.
2. Dokumentation und Verwaltung
Viele Ärzt*innen und Therapeut*innen verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit Dokumentation. KI kann Arztbriefe verfassen, Abrechnungen erstellen oder Termine koordinieren. Das schafft Freiräume für das, was wirklich zählt: die persönliche Zuwendung.
3. Forschung und Entwicklung
Die Entwicklung neuer Medikamente ist aufwendig und teuer. KI kann helfen, chemische Strukturen zu simulieren und grosse Datenmengen zu analysieren, um schneller wirksame und sichere Medikamente zu finden. Auch bei der Entwicklung personalisierter Therapien, zum Beispiel für Krebspatient*innen, spielt KI eine immer größere Rolle.
4. Patientenkommunikation und Information
Chatbots beantworten rund um die Uhr Fragen zu Symptomen, Medikamenten oder Therapien. Sie können Patient*innen bei der Orientierung im Gesundheitssystem unterstützen, ersetzen aber keine ärztliche Beratung.
5. Therapie und Monitoring
Mit Hilfe von KI können Wearables wie Smartwatches den Gesundheitszustand überwachen, zum Beispiel den Herzrhythmus oder die Medikamenteneinnahme. So lassen sich Veränderungen frühzeitig erkennen und die Behandlung anpassen.
Chancen und Vorteile von KI in der Medizin
1. Schnellere und genauere Diagnosen:
KI erkennt Muster in Daten, die für Menschen schwer zu sehen sind. Das kann Leben retten, zum Beispiel bei der Früherkennung von Krankheiten.
2. Entlastung des Personals:
Routineaufgaben werden automatisiert, sodass Ärzt*innen und Therapeut*innen mehr Zeit für die individuelle Betreuung haben.
3. Personalisierte Medizin:
KI kann Therapien individuell anpassen, etwa bei der Auswahl von Medikamenten oder der Planung von Behandlungen.
4. Bessere Forschung:
KI beschleunigt die Entwicklung neuer Medikamente und Therapien.
5. Wissensvermittlung:
KI unterstützt die medizinische Ausbildung und hilft, Fachwissen verständlich aufzubereiten.
Risiken und Herausforderungen
1. Datenschutz und Datensicherheit
Gesundheitsdaten sind besonders sensibel. In der Schweiz gilt das Datenschutzgesetz (DSG). KI darf nur mit anonymisierten oder ausdrücklich freigegebenen Daten arbeiten. Die Verantwortung für den Schutz der Daten liegt immer bei der behandelnden Person oder Einrichtung.
2. Fehler und „Halluzinationen“
KI kann überzeugend klingende, aber falsche Antworten geben. Das nennt man „Halluzination“. Deshalb müssen alle KI-Ergebnisse kritisch geprüft werden – sie sind eine Unterstützung, aber kein Ersatz für menschliche Fachkenntnis.
3. Bias (Verzerrung)
KI kann Vorurteile aus den Trainingsdaten übernehmen und verstärken. Das kann zu ungerechten Entscheidungen führen, zum Beispiel wenn bestimmte Patientengruppen benachteiligt werden.
4. Transparenz und Nachvollziehbarkeit
Patient*innen haben ein Recht zu erfahren, ob und wie KI in ihrer Behandlung eingesetzt wird. Empfehlungen der KI müssen für Fachpersonen nachvollziehbar sein.
5. Verantwortung und Haftung
Die Verantwortung für Behandlungsentscheidungen bleibt immer bei der behandelnden Person – auch wenn KI eingesetzt wird. KI darf keine eigenständigen Diagnosen stellen oder Therapien durchführen.
6. Beziehung und Resonanz
KI kann keine echte Beziehung aufbauen. Sie kann nicht fühlen, nicht mitschwingen, nicht trösten. Gerade in der Therapie ist das Menschliche – das Mitgefühl, die Resonanz, das gemeinsame Erleben – unersetzlich.
Rechtliche und ethische Rahmenbedingungen
In der Schweiz und der EU gibt es noch keine umfassenden Gesetze speziell für KI in der Medizin. Es gelten aber strenge Datenschutz- und Sorgfaltspflichten.
Generative KI-Tools wie ChatGPT oder Copilot sind keine zugelassenen Medizinprodukte und dürfen nicht eigenständig Diagnosen stellen oder Therapien durchführen. Sie dienen als Unterstützung, nicht als Ersatz für medizinisches Fachwissen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die EU haben Leitlinien für den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Gesundheitswesen veröffentlicht. Sie fordern unter anderem: Schutz der Autonomie, Förderung des Wohlergehens, Transparenz, Verantwortung, Inklusivität und Nachhaltigkeit.
Praktische Tipps für Patient*innen
- Fragen Sie nach, ob und wie KI in Ihrer Behandlung eingesetzt wird.
- Geben Sie Ihre Einwilligung zur Nutzung Ihrer Daten nur, wenn Sie sicher sind, dass Ihre Daten geschützt sind.
- Prüfen Sie Informationen aus KI-Quellen kritisch und verlassen Sie sich bei wichtigen Entscheidungen immer auf das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Therapeuten.
Umgang mit KI im Centrum Praxis Team:
- Wir schulen uns regelmäßig zu Chancen und Risiken von KI sowie zu Datenschutz- und Sorgfaltspflichten.
- Wir verfügen über interne Richtlinien für den sicheren und verantwortungsvollen Einsatz von KI.
- Wir kommunizieren den allfälligen Einsatz von KI offen gegenüber unseren Patient*innen und prüfen alle KI-gestützten Empfehlungen sorgfältig mit unserer menschlicher Fachkenntnis.
Fazit
Künstliche Intelligenz bietet große Chancen für das Gesundheitswesen – von der schnelleren Diagnose bis zur besseren Organisation. Sie kann das medizinische Personal entlasten und die Versorgung verbessern. Aber: KI ersetzt nicht die menschliche Zuwendung, keine therapeutische Beziehung und kein echtes Mitgefühl. Heilung und Entwicklung geschehen immer in Beziehung – durch Resonanz, Empathie und das gemeinsame Erleben von Sicherheit. Der verantwortungsvolle Umgang mit KI, Transparenz und Datenschutz sind entscheidend, damit Patient*innen von den Vorteilen profitieren und Risiken minimiert werden.
Quellen:
Dr. Mirja Mittermaier, Charité Berlin
FMH – Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte
NVS – Berufsverband für Naturheilkunde und Komplementärtherapie
medinside.ch
Autorin: Fiona Lanfranconi
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