Krafttraining ist viel mehr als nur Muskelaufbau, Ästhetik oder ein Trainingsmittel für Sportler*innen. Gemeint ist eine Trainingsform, bei der die Muskulatur gezielt gegen einen Widerstand arbeitet – zum Beispiel mit freien Gewichten, an Maschinen, mit elastischen Bändern oder dem eigenen Körpergewicht. Ziel ist es, nicht nur stärker zu werden, sondern den Körper insgesamt belastbarer, stabiler und leistungsfähiger zu machen beziehungsweise die körperliche Belastbarkeit zu erhalten.
Denn schon ab dem 30. Lebensjahr beginnt der Körper nach und nach Muskelmasse abzubauen. Genau das kann im Alter zu Unsicherheit, Aufgeben von Hobbies, Gebrechlichkeit, Stürzen und einem Verlust an Selbstständigkeit beitragen. Bei Frauen beginnt zusätzlich dazu ebenso ab dem 30. Lebensjahr der Verlust an Knochenmasse, welcher ab dem 45. Lebensjahr aufgrund des abnehmenden Östrogenspiegels noch schneller fortschreitet. Bei Männern beginnt der Knochenmasseverlust meist nicht vor dem 50. Lebensjahr. Der Satz «Osteoporose ist eine Kinderkrankheit» rührt daher, dass die sportlichen Belastungen, welche im Jugendalter gesetzt oder eben nicht gesetzt werden, einen grossen Einfluss auf die Knochenmasse im höheren Alter haben. Das ist deshalb so, weil die jährliche Änderung der Knochenmasse bei Mädchen zwischen 13-14 Jahren und bei Jungs zwischen 15-16 Jahren am stärksten ist. Das heisst, wenn in dieser Zeit die richtigen Reize gesetzt werden, so adaptiert der Körper auf diese Reize am Besten. Wer also schon in der Kindheit/Jugend sportlich tätig ist, stärkt seine/ihre Knochen schon früh und steht dem natürlichen Prozess des Abbaus im höheren Alter mit einer höheren Knochenmasse gegenüber. Krafttraining ist eine der wirksamsten Massnahmen, um dem Prozess des Muskel- und Knochenmasseverlusts entgegenzuwirken. Es hilft Muskelschwäche zu reduzieren, die Knochengesundheit zu unterstützen und länger selbstständig und somit auch unabhängig zu bleiben.
Auch im Alltag zeigt sich, wie wichtig Kraft ist. Wer genügend Muskelkraft besitzt, hebt leichter Einkäufe, kommt besser die Treppe nach oben, steht sicherer und ohne Unterstützung auf, bleibt beweglicher und ist körperlich widerstandsfähiger. Krafttraining verbessert aber nicht nur die Muskulatur selbst, sondern unterstützt unsere Knochen, Sehnen, Knorpel, Gelenke und den Stoffwechsel.
Auch im psychologischen Bereich hat Krafttraining seine Wirkungen. Es kann das Wohlbefinden, die Selbstwirksamkeit, das Selbstvertrauen und die mentale Gesundheit positiv beeinflussen. Ebenso wird es mit positiven Effekten auf depressive Symptome, Schlaf und allgemeine Belastungsfähigkeit in Verbindung gesetzt.
Am Ende ist Krafttraining vor Allem eines: eine Investition in Lebensqualität. Egal in welchem Alter. Es ist nicht nur für Sportler*innen – sondern für praktisch jeden Menschen.
Es empfiehlt sich, gerade zu Beginn, das Krafttraining mit einer geschulten Fachperson zu besprechen. Damit lassen sich Übungen, Belastung und Trainingsaufbau individuell an die persönlichen Voraussetzungen, allfällige Beschwerden und die eigenen Ziele anpassen. Das schafft Sicherheit und erleichtert einen sinnvollen und nachhaltigen Einstieg. Gerne steht Ihnen unser Team bei Fragen zur Verfügung.
Autorin: Melanie Steinlechner
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